„Mama, ich kann einfach nicht!“ – Warum Konzentration Grundschule so oft an ganz anderen Dingen scheitert
Stille im Kinderzimmer. Dann ein Seufzer, ein Stift, der auf den Boden fällt, und die Frage, die du vielleicht auch schon zu oft gehört hast: „Muss ich das wirklich machen?“ Wenn dein Kind sich bei den Hausaufgaben nicht konzentrieren kann, ist das erst einmal kein Drama und schon gar kein Zeichen dafür, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Es ist ein Hinweis. Ein Hinweis darauf, dass irgendetwas dem Gehirn deines Kindes im Moment im Weg steht – und genau diesem Hinweis wollen wir in diesem Guide gemeinsam nachgehen. Das Thema Konzentration Grundschule begegnet fast allen Familien irgendwann, und die gute Nachricht vorweg: Es gibt keine faulen Kinder, sondern nur Kinder, deren Konzentration gerade durch etwas Bestimmtes blockiert wird. Diesen Bausteinen kommen wir in den nächsten Abschnitten Schritt für Schritt auf die Spur.
Bei uns sah das lange Zeit so aus: Kaum lag das Matheheft auf dem Tisch, war die Stimmung im Keller. Mein Kind hatte keine Lust auf Mathe, wollte lieber etwas anderes machen, schob die Aufgaben vor sich her und unterbrach sich beim kleinsten Geräusch selbst. Es gab schnell auf, war gedanklich woanders, und aus fünf Minuten Rechnen wurde eine Stunde voller Streit. Ich habe lange gedacht, es liege an mangelnder Disziplin. Heute weiß ich: Es lag an ganz konkreten, gut erklärbaren Ursachen – und genau die möchte ich mit dir teilen.
📚 Was du in diesem Guide lernst
- Warum „unkonzentriert“ oft ein Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Ursachen ist
- Sieben typische Gründe, warum die Konzentration bei den Hausaufgaben aussetzt
- Wie du herausfindest, welcher Grund bei deinem Kind gerade eine Rolle spielt
- Konkrete, alltagstaugliche Schritte, die wirklich etwas verändern
- Wann ein Blick von außen (Ärztin, Schulpsychologie) sinnvoll ist
Teil 1 – Grundlagen: Warum „unkonzentriert“ so viele Gesichter hat
„Mein Kind ist einfach unkonzentriert“ ist einer der Sätze, die ich am häufigsten in Elterngesprächen und Foren lese. Er klingt wie eine Diagnose, ist aber eigentlich nur eine Beschreibung dessen, was wir von außen sehen: ein Kind, das nicht bei der Sache bleibt. Was dahinter steckt, kann von Tag zu Tag und von Kind zu Kind völlig unterschiedlich sein. Genau deshalb lohnt es sich, nicht sofort nach der nächsten Methode zu suchen, sondern erst einmal genauer hinzuschauen. Im Folgenden stelle ich dir sieben Ursachen vor, die in der Praxis besonders häufig übersehen werden – nicht, weil sie exotisch sind, sondern weil sie sich alle sehr ähnlich anfühlen: wie Ablenkung.
1. Das Kind ist nach der Schule schlicht „leer“
Ein Schultag verlangt einem Grundschulkind mehr ab, als wir oft ahnen: stillsitzen, zuhören, sich in einer Gruppe zurechtfinden, Reize filtern, sich an Regeln halten. Wenn dein Kind nach der Schule zu Hause ankommt und die Hausaufgaben sofort erledigt werden sollen, trifft die Anforderung auf ein Gehirn, das schon viel geleistet hat. Was dann wie mangelnde Motivation aussieht, ist häufig kognitive Erschöpfung. Das Kind will nicht nicht mitmachen – es kann im Moment einfach nicht mehr in der Form, wie wir es erwarten. Eine kurze Erholungsphase vor den Hausaufgaben kann hier oft schon einen spürbaren Unterschied machen, weil das Gehirn Zeit bekommt, sich vom Schulmodus in den Lernmodus umzuschalten.
2. Die Aufgabe ist zu leicht – oder zu schwer
Das klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist aber logisch: Beides kann wie Unkonzentriertheit aussehen. Ist eine Aufgabe zu leicht, schweifen die Gedanken ab, weil es nichts zu tun gibt, das wirklich fordert. Ist sie zu schwer, schaltet das Gehirn irgendwann aus Selbstschutz ab, weil die Anforderung als nicht bewältigbar erlebt wird. In beiden Fällen wirkt das Kind von außen „abwesend“, obwohl die eigentliche Ursache im Verhältnis zwischen Aufgabe und aktuellem Können liegt. Ein Blick auf das, was gerade tatsächlich verlangt wird, lohnt sich hier oft mehr als ein Appell an die Konzentration.
3. Der Arbeitsspeicher ist überlastet
Das Arbeitsgedächtnis ist so etwas wie der kurzfristige Notizzettel im Kopf – er hält Informationen gerade so lange fest, wie sie gebraucht werden. Bei Grundschulkindern ist dieser „Notizzettel“ noch deutlich kleiner als bei Erwachsenen. Besonders spannend und für viele Eltern überraschend: Ein Kind kann den Arbeitsauftrag bereits vergessen haben, während es ihn gerade ausführen soll. Es hat also nicht „nicht zugehört“ – die Information ist schlicht schon wieder weg, bevor sie verarbeitet werden konnte. Wenn Aufgaben in kleinere Schritte zerlegt und Anweisungen kurzgehalten werden, entlastet das genau diesen begrenzten Speicherplatz.
4. Der Körper arbeitet gegen den Kopf
Aus ergotherapeutischer Sicht wird dieser Punkt in vielen Ratgebern viel zu selten erwähnt: Konzentration ist keine reine Kopfsache, sie beginnt im Körper. Sitzhaltung, Muskeltonus, das Bedürfnis nach Bewegung und die eigene Körperwahrnehmung beeinflussen, wie gut ein Kind über längere Zeit ruhig an einer Aufgabe bleiben kann. Ein Kind, das ständig rutscht, sich am Tisch festhalten muss, um nicht vom Stuhl zu kippen, oder dessen Muskeltonus wenig Haltearbeit unterstützt, verbraucht einen Großteil seiner Energie schon dafür, überhaupt sitzen zu bleiben – für die eigentliche Aufgabe bleibt dann wenig übrig. Wippen, Aufstehen dürfen oder eine veränderte Sitzposition sind hier oft keine „Störung“, sondern der Versuch des Körpers, sich selbst zu regulieren.
5. Das Kind weiß nicht, wo es anfangen soll
Vor einer Seite voller Aufgaben zu sitzen und nicht zu wissen, womit man beginnt, ist für viele Kinder überfordernder, als es von außen wirkt. Dieses Zögern wird schnell als Trödeln oder Unkonzentriertheit gedeutet – dabei steckt oft ein Problem mit Planung und den sogenannten exekutiven Funktionen dahinter. Das sind die inneren Steuerungsfähigkeiten, die uns helfen, eine Aufgabe zu strukturieren, eine Reihenfolge festzulegen und dranzubleiben. Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Grundschulalter noch weiter und sind bei jedem Kind unterschiedlich weit ausgereift. Eine klare Struktur von außen – zum Beispiel eine feste Reihenfolge der Aufgaben – kann genau das ausgleichen, was das Gehirn noch nicht von selbst leisten kann.
6. Zu viele unsichtbare Ablenkungen
Handy und Fernseher sind die offensichtlichen Verdächtigen – aber bei Weitem nicht die einzigen. Herumliegende Materialien auf dem Tisch, Geräusche aus dem Nebenzimmer, ein Geschwisterkind, das gerade spielt, Hunger, oder auch nur der Gedanke an die Verabredung nach den Hausaufgaben – all das kann die Aufmerksamkeit binden, ohne dass wir es als „Ablenkung“ erkennen. Gerade weil diese Störfaktoren so unauffällig sind, werden sie oft übersehen, während wir nach der großen, offensichtlichen Ursache suchen. Ein aufgeräumter, ruhiger Arbeitsplatz mit möglichst wenigen Reizen ist deshalb selten nur ein netter Zusatz – er ist oft ein entscheidender Baustein.
7. Hausaufgaben sind bereits emotional negativ besetzt
Wenn es über Wochen hinweg immer wieder Streit rund um die Hausaufgaben gab, reicht irgendwann schon das Aufschlagen des Matheheftes, damit das Kind innerlich auf Abwehr geht. Das ist keine Trotzreaktion, sondern eine gelernte emotionale Verknüpfung: Hausaufgaben = Anspannung. In diesem Zustand ist konzentriertes Arbeiten neurobiologisch kaum möglich, weil das Gehirn im Stressmodus vor allem mit Selbstschutz beschäftigt ist statt mit Lernen. Diese Ursache lässt sich nicht mit einer einzelnen Methode auflösen, sondern braucht Zeit, neue, positivere Erfahrungen und vor allem: weniger Druck.
🎁 Mit Leichtigkeit und Freude lernen
Falls dich diese sieben Ursachen gerade zum Nachdenken gebracht haben: Ich habe eine kleine Liste mit 9 Ideen zusammengestellt, die deinem Kind – und euch als Familie – wieder mehr Leichtigkeit im Lernalltag schenken sollen. Kein Druck, kein „nur jetzt“ – einfach eine Einladung, wenn es für dich passt.
9 Ideen für mehr Leichtigkeit →Teil 2 – Planung: Der Ursache auf die Spur kommen
Bevor du irgendetwas veränderst, lohnt sich ein paar Tage lang genaues Beobachten – ganz ohne sofort eingreifen zu wollen. Notiere dir zum Beispiel: Wann genau setzt die Unruhe ein? Direkt nach der Schule oder erst nach zehn Minuten Arbeit? Bei welchem Fach häufiger? Gibt es Tage, an denen es besser läuft, und was war an diesen Tagen anders? Diese kleine Detektivarbeit ersetzt keine Fachdiagnostik, gibt dir aber wertvolle Hinweise, welche der sieben Ursachen aus Teil 1 bei deinem Kind gerade am wahrscheinlichsten eine Rolle spielt. Wichtig dabei: Es kann auch mehrere Ursachen gleichzeitig geben, und sie können sich von Woche zu Woche verschieben.
Eine kleine Tabelle kann helfen, den Überblick zu behalten:
| Beobachtung | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Unruhe direkt nach der Schule | Kognitive Erschöpfung |
| Aufgabe wird sofort abgebrochen oder unterschätzt | Aufgabe zu leicht/zu schwer |
| Vergisst Anweisung mitten in der Aufgabe | Arbeitsgedächtnis überlastet |
| Rutscht ständig, sitzt schief | Körperliche Ebene |
| Starrt auf das Blatt, ohne zu beginnen | Planung/exekutive Funktionen |
| Reagiert auf jedes Geräusch | Unsichtbare Ablenkungen |
| Weint/verweigert schon beim Herausholen der Hefte | Emotional negativ besetzt |
Diese Tabelle ist kein starres Diagnoseinstrument, sondern ein Denkanstoß. Manche Beobachtungen lassen sich klar zuordnen, andere überschneiden sich – das ist normal und kein Grund zur Sorge. Ziel ist nicht, eine perfekte Erklärung zu finden, sondern einen ersten Ansatzpunkt, an dem du in Ruhe etwas ausprobieren kannst.
Der Lerntypen-Mythos – ein kurzer Einschub
Wenn im weiteren Verlauf dieses Guides Methoden wie „mit Bildern arbeiten“ oder „laut vorlesen lassen“ vorkommen, sei dir bewusst: Die Vorstellung fester „Lerntypen“ (visuell, auditiv, haptisch) gilt in der Lernforschung als weitgehend widerlegt – es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Kinder einem festen Typ zugeordnet werden können oder dass sich Lernerfolg dadurch steigern lässt, Methoden strikt darauf abzustimmen. Sinnvoller ist es, verschiedene Zugänge – sehen, hören, anfassen, ausprobieren – flexibel zu nutzen, statt dein Kind auf einen einzigen Weg festzulegen.
Teil 3 – Umsetzung Schritt für Schritt
Nachdem du eine erste Vermutung hast, welche Ursache bei deinem Kind gerade im Vordergrund steht, geht es an die Umsetzung. Bei uns haben sich folgende Schritte bewährt – nicht als starres Programm, sondern als Baukasten, aus dem du dir das herausnimmst, was zu eurer Situation passt.
Schritt 1: Eine echte Pause nach der Schule einplanen
Das klingt vielleicht selbstverständlich, aber viele Familien starten aus Zeitdruck direkt mit den Hausaufgaben. Bei uns hat es einen spürbaren Unterschied gemacht, bewusst 20 bis 30 Minuten Erholung einzuplanen – snacken, draußen sein, einfach nichts tun dürfen. Diese Pause ist keine verlorene Zeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass danach überhaupt konzentriertes Arbeiten möglich ist.
Schritt 2: Das Aufgabenniveau ehrlich prüfen
Statt sofort mehr Disziplin einzufordern, lohnt sich die Frage: Ist die Aufgabe gerade zu leicht oder zu schwer für mein Kind? Bei zu leichten Aufgaben kann eine kleine zusätzliche Herausforderung (zum Beispiel eine Zeitmessung als Spiel) die Aufmerksamkeit zurückholen. Bei zu schweren Aufgaben hilft es, den ersten Schritt gemeinsam zu machen und dann schrittweise loszulassen.
Schritt 3: Bewegungspausen fest einbauen
Das klingt selbstverständlich, wird im Alltag aber trotzdem oft vergessen: Nach 10 bis 15 Minuten konzentrierter Arbeit eine kurze, bewusste Bewegungspause einzubauen – zehn Hampelmänner, kurz durchs Zimmer hüpfen, eine Runde ums Haus. Das ist keine Belohnung fürs Durchhalten, sondern eine Möglichkeit für den Körper, sich neu zu sortieren, bevor die Konzentration ganz kippt.
Schritt 4: Schritt für Schritt statt „mach mal alles“
Eine ganze Seite Aufgaben wirkt auf ein Kind, das mit Planung kämpft, oft wie ein Berg ohne Anfang. Wir haben angefangen, Aufgaben sichtbar zu unterteilen – zum Beispiel mit einem Blatt Papier, das nur die aktuelle Aufgabe zeigt, während der Rest abgedeckt bleibt. So sieht das Kind immer nur den nächsten kleinen Schritt statt der ganzen Menge auf einmal. Diese Methode zur Konzentration bei Hausaufgaben steigern ist unscheinbar, wirkt aber oft schon nach wenigen Tagen spürbar.
Schritt 5: Ablenkungen konsequent reduzieren
Ein aufgeräumter Tisch, ein Raum ohne laufenden Fernseher im Hintergrund, das Handy außer Sichtweite – das klingt banal, macht in der Praxis aber oft den größten sichtbaren Unterschied. Auch Geschwisterkinder profitieren davon, wenn feste „Lernzeiten“ für alle gelten, statt dass ein Kind allein still sein soll, während im Nebenzimmer gespielt wird.
Schritt 6: Am eigenen Mindset arbeiten
Der vielleicht am meisten unterschätzte Schritt betrifft nicht das Kind, sondern uns Eltern selbst. Wenn wir Hausaufgaben mit Anspannung, Zeitdruck oder eigener Frustration angehen, überträgt sich das. Bei uns hat es geholfen, innerlich zu akzeptieren, dass nicht jeder Tag gleich laufen wird – und dass ein schwieriger Nachmittag kein Rückschritt, sondern einfach ein schwieriger Nachmittag ist.
Teil 4 – Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Auf dem Weg zu mehr Konzentration Grundschule im Alltag gibt es ein paar Stolpersteine, in die wir selbst hineingetreten sind – und die uns in Elterngesprächen und Foren immer wieder begegnen.
Fehler 1: Zu schnell „Konzentrier dich!“ sagen
Dieser Satz ist verständlich – und trotzdem selten hilfreich. Er beschreibt ein Ziel, aber keinen Weg dorthin. Für ein Kind, das gerade kognitiv erschöpft ist oder dessen Arbeitsgedächtnis überlastet ist, ist dieser Appell schlicht nicht umsetzbar. Hilfreicher ist es, konkret zu benennen, was als Nächstes zu tun ist, statt an die Willenskraft zu appellieren.
Fehler 2: Alle Ursachen auf einmal angehen wollen
Das klingt nach gutem Willen, überfordert aber meistens beide Seiten. Wenn plötzlich Pause, Bewegung, neue Aufgabenstruktur und aufgeräumter Tisch gleichzeitig eingeführt werden, weiß niemand mehr, was eigentlich wirkt. Wir haben besser damit gefahren, uns auf ein bis zwei Veränderungen zu konzentrieren und ihnen ein paar Tage Zeit zu geben.
Fehler 3: Rückschritte als Scheitern werten
Nach den ersten guten Tagen folgt fast immer wieder ein schwieriger Nachmittag. Das ist kein Beweis dafür, dass „nichts hilft“, sondern völlig normaler Teil des Prozesses. Bei uns gab es viele Tage, die gut liefen, und manche, die schlechter liefen – und genau dieses Auf und Ab gehört dazu.
Fehler 4: Vorschnell selbst diagnostizieren
Wenn Konzentrationsschwierigkeiten sehr ausgeprägt, dauerhaft und über mehrere Lebensbereiche hinweg auftreten, ist es verständlich, an Begriffe wie ADHS, LRS oder Dyskalkulie zu denken. Wichtig ist: Eine solche Einschätzung gehört nicht in Elternhände oder in einen Blogartikel, sondern in die Hände von Fachleuten – etwa Kinderärztin, Schulpsychologie oder eine Beratungsstelle. Sie können einordnen, ob es sich um eine vorübergehende Phase, eine Frage der Passung von Anforderung und Kind oder tatsächlich um mehr handelt.
🎁 Noch mehr Leichtigkeit für euren Lernalltag
Du hast jetzt viele Ursachen und Ansatzpunkte kennengelernt. Wenn du dir eine kompakte Liste mit 9 Ideen wünschst, die dir helfen, Lernen ohne ständigen Streit anzugehen, dein Kind mit weniger Druck zu motivieren und wieder mehr Freude in den Alltag zu bringen, trag dich gerne unverbindlich ein.
Zur Ideenliste →Teil 5 – Ressourcen, Wege und weiterführende Hilfe
Manche Familien fragen sich irgendwann auch grundsätzlicher, ob die klassische Schulform mit ihrem Rhythmus und ihrer Aufgabenstruktur zu ihrem Kind passt. Ein kurzer, fairer Blick auf alternative Schulkonzepte kann hier Orientierung geben – ohne dass eine Form „besser“ oder „schlechter“ ist als eine andere.
Waldorfpädagogik
Waldorfschulen legen viel Wert auf Rhythmus, künstlerisches Arbeiten und einen langsameren Einstieg in klassischen Unterrichtsstoff. Das kann Kindern entgegenkommen, die viel Bewegung und kreativen Ausdruck brauchen. Kritisch angemerkt wird häufig der spätere Einstieg in bestimmte Lerninhalte und die teils große Rolle der Klassenlehrerin über mehrere Jahre hinweg, was nicht für jedes Kind ideal ist.
Montessori-Pädagogik
Montessori-Einrichtungen setzen auf selbstgesteuertes Lernen mit speziellem Material und viel Freiraum bei der Wahl der Aufgabe. Das kann Kindern mit ausgeprägtem eigenem Antrieb sehr entgegenkommen. Für Kinder, die gerade viel äußere Struktur brauchen – etwa weil die exekutiven Funktionen noch in Entwicklung sind – kann die große Freiheit anfangs auch überfordernd wirken, bis eigene Routinen gefunden sind.
Freilernen
Beim Freilernen entscheidet das Kind sehr weitgehend selbst, wann und was es lernt, oft ganz ohne klassischen Schulrahmen. Befürworter betonen die hohe intrinsische Motivation, die dabei entstehen kann. Kritisch diskutiert wird unter anderem die rechtliche Situation in Deutschland (Schulpflicht) sowie die Frage, wie verlässlich sich grundlegende Kompetenzen ohne jede äußere Struktur erwerben lassen – hier gehen die Erfahrungen und Einschätzungen von Familien und Fachleuten weit auseinander.
Für die meisten Familien, die eine klassische Grundschule besuchen, geht es aber gar nicht um einen Systemwechsel, sondern darum, den Hausaufgabenalltag innerhalb des bestehenden Rahmens erträglicher zu gestalten – genau darum ging es in diesem Guide.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Wenn Konzentrationsschwierigkeiten sich über viele Monate nicht verändern, in mehreren Lebensbereichen auftreten (nicht nur bei Hausaufgaben) oder mit starkem Leidensdruck einhergehen, ist es sinnvoll, sich fachliche Unterstützung zu holen. Ansprechpartner können die Kinderärztin, die Schulpsychologie, eine Erziehungsberatungsstelle oder – gerade bei der körperlichen Ebene – eine ergotherapeutische Praxis sein. Das ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein Zeichen dafür, dass du deinem Kind die passende Unterstützung ermöglichen möchtest.
Kurz zusammengefasst
- „Unkonzentriert“ ist ein Sammelbegriff – dahinter stecken oft ganz konkrete, gut erklärbare Ursachen
- Kognitive Erschöpfung, Über-/Unterforderung, Arbeitsgedächtnis, Körper, Planung, Ablenkung und Emotionen spielen jeweils eine Rolle
- Beobachten statt sofort bewerten – die Ursache herauszufinden ist der erste und wichtigste Schritt
- Kleine, gezielte Veränderungen wirken meist mehr als der Appell „Konzentrier dich!“
- Nicht jeder Tag wird gleich laufen – und das ist völlig in Ordnung
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Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich die Konzentration bei den Hausaufgaben verbessert?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil es stark davon abhängt, welche Ursache bei eurem Kind gerade im Vordergrund steht. Manche Veränderungen, etwa eine feste Pause nach der Schule oder ein aufgeräumter Arbeitsplatz, zeigen oft schon nach wenigen Tagen erste Effekte. Andere Themen, etwa wenn Hausaufgaben bereits emotional negativ besetzt sind, brauchen deutlich mehr Zeit und viele neue, positive Erfahrungen. Bei uns hat es Wochen gedauert, bis sich ein spürbar anderes Muster eingestellt hat, und auch danach gab es immer wieder schwierigere Tage. Wichtig ist, kleine Fortschritte wahrzunehmen, statt auf den einen großen Umschwung zu warten. Geduld mit dem Prozess ist hier oft genauso wichtig wie die einzelnen Maßnahmen selbst.
Was kostet es, die Konzentration meines Kindes zu unterstützen?
Die meisten der in diesem Guide vorgestellten Schritte kosten nichts – eine Pause einplanen, Ablenkungen reduzieren, Aufgaben in kleinere Schritte teilen oder Bewegungspausen einbauen, lässt sich ohne zusätzliches Material umsetzen. Solltet ihr euch für professionelle Unterstützung entscheiden, etwa eine ergotherapeutische Abklärung oder eine Beratungsstelle, variieren die Kosten je nach Anbieter, Region und danach, ob eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse infrage kommt. Es lohnt sich, im Vorfeld direkt bei der jeweiligen Praxis oder Beratungsstelle nachzufragen. Kostenlose erste Ansprechpartner sind oft die Schulpsychologie oder öffentliche Erziehungsberatungsstellen.
Was, wenn keine der genannten Maßnahmen hilft, um die Konzentration bei Hausaufgaben zu steigern?
Wenn ihr mehrere der vorgeschlagenen Schritte über einen längeren Zeitraum ausprobiert habt und sich wirklich nichts verändert, ist das ein guter Anlass, sich fachliche Unterstützung zu holen, statt weiter allein nach der Lösung zu suchen. Das bedeutet nicht, dass etwas grundlegend falsch gemacht wurde – manche Ursachen brauchen einen geschulten Blick von außen, um erkannt zu werden. Kinderärztin, Schulpsychologie oder eine Beratungsstelle können einschätzen, ob zum Beispiel eine Abklärung in Richtung ADHS, LRS oder Dyskalkulie sinnvoll ist. Diese Einschätzung gehört bewusst nicht in die Hände von Eltern oder in einen Blogartikel, sondern in fachkundige Hände. Ein früher Termin ist meist entlastender, als noch länger allein zu grübeln.
Muss ich meinem Kind einen festen „Lerntyp“ zuordnen, um die Konzentration Grundschule zu verbessern?
Nein – im Gegenteil. Die Vorstellung fester Lerntypen gilt in der Lernforschung als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Statt dein Kind auf „visuell“, „auditiv“ oder „haptisch“ festzulegen, ist es sinnvoller, verschiedene Zugänge auszuprobieren und flexibel zu kombinieren: mal mit Bildern arbeiten, mal laut vorlesen, mal etwas begreifen und anfassen lassen. So findest du gemeinsam heraus, was in welcher Situation hilft, statt euch auf eine einzige Schublade festzulegen, die dem Lernen eures Kindes am Ende eher im Weg stehen könnte.
Wie stark sollte ich die Noten meines Kindes im Zusammenhang mit Konzentrationsschwierigkeiten gewichten?
Noten geben einen groben Anhaltspunkt, sagen aber wenig darüber aus, warum die Konzentration bei den Hausaufgaben gerade schwerfällt. Ein Kind kann gute Noten haben und trotzdem täglich um jede Hausaufgabe kämpfen – oder schwächere Noten, ohne dass Konzentration überhaupt das eigentliche Problem ist. Es lohnt sich daher, Noten als einen von vielen Hinweisen zu sehen, nicht als alleinigen Maßstab für den Umgang mit den in diesem Guide beschriebenen Ursachen. Der Blick auf das Wohlbefinden und den Prozess deines Kindes ist mindestens genauso wichtig wie das Ergebnis auf dem Blatt.
Kristina Weber
Ergotherapeutische Perspektive & Mama aus der Praxis
Kristina beschäftigt sich sowohl beruflich als auch privat mit dem Thema Konzentration Grundschule – aus ergotherapeutischer Sicht und aus eigener Erfahrung als Mutter. Auf diesem Blog teilt sie, was ihr im Alltag mit ihrem Kind wirklich geholfen hat, und was sich fachlich dahinter erklären lässt.
Quellennachweis zum Artikel „Konzentration Grundschule“
Die folgenden Quellen stützen die im Artikel getroffenen fachlichen Aussagen – insbesondere zum Lerntypen-Mythos, zum Arbeitsgedächtnis und zu den exekutiven Funktionen. Persönliche Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Familienalltag sind als solche gekennzeichnet und werden hier bewusst nicht mit Studien „belegt“.
Lerntypen-Mythos
Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D., & Bjork, R. (2008). Learning Styles: Concepts and Evidence. Psychological Science in the Public Interest, 9(3), 105–119.
journals.sagepub.com/doi/10.1111/j.1539-6053.2009.01038.x
Newton, P. M., & Miah, M. (2017). Evidence-Based Higher Education – Is the Learning Styles ‚Myth‘ Important? Frontiers in Psychology, 8, 444.
ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5366351
Willingham, D. T., Hughes, E. M., & Dobolyi, D. G. (2015). The Scientific Status of Learning Styles Theories. Teaching of Psychology, 42(3), 266–271.
Arbeitsgedächtnis im Grundschulalter
Gathercole, S. E., & Alloway, T. P. (2007). Understanding Working Memory: A Classroom Guide. London: Harcourt Assessment.
schools.oxfordshire.gov.uk – Classroom Guide (PDF)
Gathercole, S. E., & Alloway, T. P. (2008). Working Memory and Learning: A Practical Guide for Teachers. London: SAGE Publications.
Exekutive Funktionen
Diamond, A. (2013). Executive Functions. Annual Review of Psychology, 64, 135–168.







