Lernmotivation: Grundschulkind sitzt frustriert vor seinen Hausaufgaben und gibt beim Lernen schnell auf
Bild mit künstlicher Intelligenz erstellt

Lernmotivation: Warum dein Kind beim Lernen schnell aufgibt und was wirklich hilft

🔬 Erklärer · Lernen verstehen

Lernmotivation: Warum dein Kind beim Lernen schnell aufgibt und was wirklich hilft

Ein Erklärer für Eltern von Grundschulkindern, ohne Druck, ohne Schuldzuweisung und mit vielen Beispielen aus dem Alltag.

Der Stift fliegt weg.

Eben saß dein Kind noch halbwegs friedlich vor dem Heft, jetzt liegt der Kopf auf dem Tisch. „Das kann ich nicht.“ „Ich will nicht mehr.“ „Das ist blöd.“ Und in dir steigt vielleicht dieser Gedanke hoch: Warum strengt es sich nicht einfach mal an?

Genau an dieser Stelle lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn was wie fehlende Lernmotivation aussieht, kann etwas anderes sein: fehlendes Zutrauen. Ein Kind, das „keine Lust“ sagt, kann damit auch meinen: „Ich glaube sowieso, dass ich es nicht schaffe.“ Wenn sich solche Erfahrungen wiederholen, kann sich das Lernen immer schwieriger anfühlen.

Dieser Artikel erklärt, was hinter schnellem Aufgeben stecken kann, woran du fehlende Lust und fehlendes Zutrauen eher unterscheiden kannst und was du im Alltag tun kannst, ohne deinem Kind die Aufgaben abzunehmen oder zusätzlichen Druck aufzubauen.

Wenn du zuerst verstehen möchtest, warum Lernfreude überhaupt verloren gehen kann, lies auch meinen Artikel „Lernfreude fördern: Vielleicht fehlt deinem Kind gar nicht die Motivation“.

Was Selbstwirksamkeit ist und was sie nicht ist

Selbstwirksamkeit ist ein sperriges Wort für etwas sehr Alltägliches. Gemeint ist die Überzeugung eines Menschen, eine Anforderung durch das eigene Handeln bewältigen oder beeinflussen zu können. Der Psychologe Albert Bandura hat das Konzept in den 1970er Jahren ausgearbeitet. Für das Lernen bedeutet das nicht einfach: „Ich bin gut in Mathe.“ Es geht eher um den Gedanken: „Das ist schwierig, aber ich kann etwas tun, um weiterzukommen.“

Bei einem Grundschulkind kann sich das ganz unspektakulär anhören: „Ich probiere es erst einmal.“ Oder nach einer Weile: „Guck mal, ich habe es alleine rausgekriegt.“ Solche Erfahrungen sind wichtig, weil Selbstwirksamkeit nicht allein durch Zuspruch entsteht. Sie wächst vor allem dann, wenn ein Kind erlebt, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht.

Dabei ist Selbstwirksamkeit keine feste Eigenschaft. Ein Kind kann sich beim Fußball viel zutrauen und beim Schreiben sehr unsicher sein. Auch innerhalb eines Bereichs kann sich das Zutrauen verändern, wenn neue Erfahrungen hinzukommen.

Was Selbstwirksamkeit nicht ist

  • Kein Dauerlob. Ein Satz wie „Du bist so schlau“ sagt wenig darüber aus, was dem Kind gerade geholfen hat.
  • Keine Selbstüberschätzung. Es geht nicht darum, sich für besonders gut zu halten, sondern sich zuzutrauen, einen nächsten Schritt zu versuchen.
  • Kein Ersatz für Können. Wenn Grundlagen fehlen, braucht ein Kind Erklärung, Übung oder fachliche Unterstützung und nicht nur Zuspruch.
  • Kein Charaktertest. Schnelles Aufgeben bedeutet nicht automatisch Faulheit. Dahinter können sehr unterschiedliche Erfahrungen und Ursachen stehen.
  • Kein Alles oder nichts. Zutrauen kann je nach Fach, Situation und Aufgabe ganz unterschiedlich ausgeprägt sein.

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Was die Forschung über Zutrauen und Lernmotivation sagt

Banduras Arbeiten zur Selbstwirksamkeit beschreiben, dass die Erwartung, selbst wirksam handeln zu können, beeinflusst, ob Menschen eine Herausforderung überhaupt angehen, wie viel Anstrengung sie investieren und wie lange sie bei Schwierigkeiten dabeibleiben. Besonders bedeutsam sind dabei eigene Bewältigungserfahrungen. Für den Lernalltag heißt das: Ein Kind braucht nicht nur die Botschaft „Du kannst das“, sondern Gelegenheiten, selbst zu erleben, dass es mit seinem Handeln weiterkommt.

Auch Carol Dwecks frühe Forschung zur erlernten Hilflosigkeit liefert einen wichtigen Hinweis. In einer kleinen Studie mit zwölf Kindern im Alter von acht bis dreizehn Jahren, die nach Misserfolgen besonders schnell aufgaben, verglich sie zwei Trainingsformen. Kinder, die lernten, Misserfolg eher mit veränderbarer Anstrengung als mit unveränderbarer Fähigkeit zu verbinden, reagierten anschließend beharrlicher auf erneute Misserfolge als Kinder, die nur zusätzliche Erfolgserfahrungen erhielten. Aus einer solchen kleinen Studie lässt sich keine einfache Regel für jedes Kind ableiten. Sie zeigt aber, warum die Erklärung „Ich kann das eben nicht“ für die weitere Lernmotivation ungünstig sein kann.

Für die Rolle der Eltern ist außerdem eine Schweizer Längsschnittstudie mit 1.685 Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse interessant. Die Forschenden unterschieden zwischen der Häufigkeit elterlicher Hausaufgabenhilfe und der Qualität dieser Hilfe. Häufiges Helfen war mit einer ungünstigeren Leistungsentwicklung verbunden. Als unterstützend wahrgenommene Hilfe sagte dagegen günstigere Entwicklungen voraus, während als einmischend wahrgenommene Hilfe ungünstiger ausfiel. Das bedeutet nicht, dass Eltern möglichst wenig helfen sollten. Entscheidend ist vielmehr, wie die Unterstützung beim Kind ankommt.

Selbstwirksamkeit erklärt Lernmotivation allerdings nicht vollständig. Die Selbstbestimmungstheorie von Richard Ryan und Edward Deci betont zusätzlich die Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenzerleben und sozialer Eingebundenheit. Ein Kind kann sich eine Aufgabe durchaus zutrauen und trotzdem wenig Motivation dafür entwickeln, wenn es sich stark kontrolliert fühlt, keinen Sinn erkennt oder sich nicht unterstützt erlebt. Zutrauen ist deshalb ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige.

Woher ich das kenne

In meiner Arbeit als Ergotherapeutin erlebe ich das immer wieder. Kinder sagen bei einer schwierigen Aufgabe innerhalb von Sekunden „Das kann ich nicht“ oder „Ich will nicht mehr“. Auf den ersten Blick wirkt das wie fehlende Lust. Schaue ich genauer hin, zeigt sich manchmal etwas anderes. Die Kinder trauen sich die Aufgabe nicht zu oder rechnen schon vorher mit einem Misserfolg. Das Ergebnis scheint für sie innerlich bereits festzustehen, bevor sie überhaupt begonnen haben.

Lernmotivation: Grundschulkind teilt eine große Aufgabe in mehrere kleine Lernschritte auf
Große Aufgaben wirken oft leichter, wenn Kinder sie in kleine, überschaubare Schritte aufteilen.

Was sich in solchen Situationen häufig bewährt, ist erstaunlich unspektakulär. Aufgaben werden kleiner und überschaubarer. Das Kind bekommt mehr Zeit zum eigenen Ausprobieren. Hilfe kommt nicht sofort, sondern erst dann, wenn sie wirklich gebraucht wird. Kleine Fortschritte werden sichtbar gemacht, und Rückmeldungen beziehen sich stärker darauf, was das Kind selbst getan hat.

Wenn Kinder wieder erleben, dass sie selbst etwas schaffen können, gehen sie häufig mutiger an ähnliche Aufgaben heran. Das passiert nicht von heute auf morgen und auch nicht bei jedem Kind gleich schnell. Entscheidend ist, dass nach und nach wieder die Erfahrung entstehen kann: „Ich kann etwas bewirken.“

Keine Lust oder kein Zutrauen? So erkennst du den Unterschied bei der Lernmotivation

Der Unterschied ist wichtig, weil verschiedene Ursachen auch unterschiedliche Reaktionen brauchen. Manchmal ist ein Kind tatsächlich müde, gelangweilt oder gerade nicht bereit zu lernen. In anderen Situationen steht eher die Sorge im Vordergrund, etwas nicht zu schaffen. Die folgende Übersicht ist deshalb keine Diagnose, sondern eine Beobachtungshilfe. Viele Kinder zeigen Mischformen, und an manchen Tagen ist schlicht die Tagesform entscheidend.

Beobachtung Eher fehlende Lust Eher fehlendes Zutrauen
Wann kommt der Widerstand? Schon vorher, zum Beispiel „Ich will erst noch spielen.“ Beim Anblick einer bestimmten Aufgabe oder direkt nach dem ersten schwierigen Schritt
Wie klingt der Satz? „Keine Lust, das ist langweilig.“ „Ich kann das sowieso nicht.“ oder „Ich bin zu dumm dafür.“
Bei welchen Fächern? Eher quer durch verschiedene Aufgaben Häufig bei einem bestimmten Fach oder einer bestimmten Aufgabenart
Reaktion auf Hilfe Das Kind versucht, die Aufgabe möglichst schnell abzugeben Deutliche Erleichterung, starke Rückversicherung oder emotionales Reagieren
Nach einem Erfolg Freut sich und macht eventuell weiter Spielt den Erfolg möglicherweise herunter, zum Beispiel mit „Das war nur Glück“ oder „Das war leicht“

Gerade die letzte Beobachtung kann aufschlussreich sein. Ein Kind mit geringem Zutrauen kann dazu neigen, eigene Erfolge herunterzuspielen oder äußeren Umständen zuzuschreiben. Dann lohnt es sich, den Blick vorsichtig darauf zu lenken, was das Kind selbst zum Gelingen beigetragen hat.

Typische Anzeichen bei Hausaufgaben in der Grundschule

Im Alltag zeigt sich geringes Zutrauen selten als ruhiges Gespräch über Selbstzweifel. Häufiger zeigt es sich im Verhalten. Das Kind fragt nach jedem zweiten Wort, ob es richtig ist. Es beginnt erst, wenn du dich dazusetzt. Es radiert auffallend viel. Es sagt Sätze wie „Ich bin der Schlechteste in der Klasse“ oder versucht, die Situation mit Albernheit zu überspielen. Manche Kinder brauchen für die erste Zeile zwanzig Minuten und erledigen den Rest anschließend in fünf.

Wichtig ist aber: Jedes einzelne dieser Zeichen kann auch ganz andere Gründe haben. Müdigkeit, Streit, eine tatsächlich zu schwierige Aufgabe oder Konzentrationsprobleme können ähnlich aussehen. Beobachte deshalb lieber über einen längeren Zeitraum, statt aus einem einzigen schlechten Nachmittag Schlüsse zu ziehen.

Wenn du merkst, dass dein Kind besonders häufig unkonzentriert wirkt, findest du dazu eine ausführliche Einordnung in meinem Artikel „Warum Konzentration in der Grundschule so oft an ganz anderen Dingen scheitert“.

Wenn Selbstvertrauen und positives Denken kippen

Viele Eltern versuchen in solchen Momenten gegenzuhalten: „Du schaffst das!“ oder „Du bist doch so klug!“ Der Impuls ist liebevoll, aber er erreicht ein zweifelndes Kind nicht immer. Wenn die eigene Erfahrung etwas anderes sagt, kann ein gut gemeinter Satz sogar weit weg wirken.

Hilfreicher ist oft, den Zweifel nicht wegzureden, sondern ihn anzuerkennen und gleichzeitig den nächsten machbaren Schritt zu suchen. Zum Beispiel: „Ja, das ist gerade schwer für dich. Lass uns schauen, womit du anfangen kannst.“ So bleibt die Schwierigkeit realistisch, ohne sie größer zu machen.

Mehr dazu findest du in meinem Artikel „Positives Mindset bei Kindern stärken: 10 Wege für mehr Mut, Selbstvertrauen und Lernfreude“.

Die Motivationsspirale kann sich in beide Richtungen drehen

Ein hilfreiches Bild ist eine Spirale. Jeder Schritt kann den nächsten wahrscheinlicher machen.

Abwärtsspirale

Misserfolg führt zu dem Gedanken „Ich kann das nicht“. Das Kind vermeidet die Aufgabe oder gibt schnell auf. Dadurch sammelt es weniger Übung und weniger Erfolgserfahrungen. Das kann das Zutrauen weiter schwächen.

Aufwärtsspirale

Ein schaffbarer Schritt führt zu einem eigenen Erfolgserlebnis. Daraus kann der Gedanke entstehen: „Ich habe das hingekriegt.“ Der nächste Schritt wird eher gewagt, Übung wird wahrscheinlicher und echtes Können kann wachsen.

Lernmotivation: Grafik zeigt die Abwärtsspirale aus Misserfolg und Aufgeben sowie die Aufwärtsspirale aus Erfolg, Übung und mehr Zutrauen
Lernmotivation kann sich in beide Richtungen entwickeln. Kleine Erfolgserlebnisse können Übung, Zutrauen und weiteres Dranbleiben fördern.

Du musst diese Spirale nicht durch große Motivationsaktionen verändern. Oft reicht es, den nächsten Schritt so zu gestalten, dass dein Kind ihn selbst bewältigen kann und den Erfolg auch mit dem eigenen Handeln verbindet.

Warum zu viel Hilfe das Zutrauen manchmal schwächen kann

Eltern, die abends neben ihrem Kind sitzen und erklären, meinen es gut. Trotzdem braucht ein Kind für die Erfahrung „Ich habe das geschafft“ einen eigenen Anteil an der Lösung. Wenn Erwachsene regelmäßig sehr früh eingreifen, kann beim Kind der Eindruck entstehen, schwierige Momente seien ohne Hilfe nicht zu bewältigen.

Genau deshalb ist die Unterscheidung zwischen Menge und Qualität der Hilfe so wichtig. Unterstützende Hilfe kann entlasten. Hilfe, die als Kontrolle oder Einmischung erlebt wird, kann dagegen ungünstig sein. Praktisch bedeutet das: verfügbar sein, ohne sofort zu übernehmen. Fragen stellen, statt die Lösung vorzugeben. Und kurze Denkpausen aushalten, auch wenn das manchmal schwerfällt.

Ein einfacher Test für den Alltag: Frag dich nach der Hausaufgabenzeit, wer die meisten Entscheidungen getroffen hat. Wenn die Antwort meistens „ich“ lautet, könnte etwas mehr Zurückhaltung hilfreich sein.

Genau um solche gut gemeinten Lernfallen geht es auch in „Besser lernen in der Schule: 3 typische Lernfallen im Familienalltag“.

Lernmotivation: Grundschulkind arbeitet selbstständig, während ein Elternteil im Hintergrund unterstützend begleitet
Verfügbar sein, ohne sofort einzugreifen, kann Kindern helfen, eigene Lösungen zu finden und mehr Zutrauen zu entwickeln.

Wie es konkret funktioniert: fünf Bausteine für mehr Zutrauen

Du musst nicht alles gleichzeitig verändern. Such dir den Baustein aus, der bei euch am ehesten in den Alltag passt.

1. Den ersten Schritt sehr klein machen

Nicht „die ganze Seite“, sondern „die erste Zeile“. Nicht „zehn Vokabeln“, sondern „drei, dann schauen wir weiter“. Nicht „den Aufsatz schreiben“, sondern zuerst drei Stichworte sammeln. Ein Kind, das schon beim Anblick der Gesamtaufgabe innerlich aussteigt, braucht einen Einstieg, der machbar aussieht.

2. Den Erfolg dem Kind zurückgeben

Wenn etwas klappt, helfen beschreibende Rückmeldungen oft mehr als pauschales Lob. Statt „Siehst du, ich habe es doch gesagt“ kannst du sagen: „Du hast weitergemacht, obwohl du erst dachtest, dass es nicht geht.“ Oder: „Wie bist du auf die Lösung gekommen?“ Solche Sätze lenken den Blick darauf, was das Kind selbst getan hat.

3. Fortschritt sichtbar machen

Kinder vergleichen sich schnell mit einem Ziel oder mit anderen Kindern. Hilfreich kann deshalb der Vergleich mit dem eigenen früheren Stand sein. Schaut ein altes Heft an. Vergleicht die Schrift von September mit der von heute. Haltet Wörter fest, die inzwischen sicher gelesen werden. Solche konkreten Hinweise machen Entwicklung sichtbar.

Lernmotivation: Grundschulkind vergleicht ältere und neuere Schulaufgaben und erkennt den eigenen Fortschritt
Der Vergleich mit dem eigenen früheren Stand kann Kindern zeigen, was sie bereits gelernt und geschafft haben.

4. Fehler entdramatisieren, auch die eigenen

Kinder beobachten, wie Erwachsene mit Fehlern umgehen. Wenn dir beim Kochen etwas misslingt und du sagst: „Das hat heute nicht geklappt. Beim nächsten Mal probiere ich es anders“, vermittelst du ganz nebenbei, dass Fehler veränderbare Ursachen haben können. Beim Lernen gilt dasselbe. Ein Fehler zeigt, an welcher Stelle noch etwas unklar ist. Er sagt nichts darüber aus, wer ein Kind ist.

5. Lernen wieder mit guten Erfahrungen verbinden

Zutrauen wächst nicht nur am Schreibtisch. Ein Kind, das beim Kochen abmisst, beim Brettspiel rechnet, beim Vorlesen miträtselt oder beim Bauen verschiedene Lösungen ausprobiert, sammelt ebenfalls Erfahrungen von Kompetenz. Diese Momente können besonders wertvoll sein, wenn schulisches Lernen gerade stark mit Frust verbunden ist.

Wenn dein Kind wieder etwas offener für konkrete Methoden ist, findest du in „Dein Kind lernt, aber behält nichts? Diese 3 Lernstrategien helfen“ drei Wege, mit denen Lernen strukturierter und wirksamer werden kann.

Ehrliche Bilanz: Was der Ansatz bringen kann und wo seine Grenzen liegen

Dafür spricht Das solltest du wissen
Viele Ideen kosten kein Geld und brauchen kein besonderes Material. Zurückhaltung kann anstrengender sein als schnelles Helfen, besonders wenn die Zeit knapp ist.
Die Erfahrungen können auch außerhalb der Schule hilfreich sein, zum Beispiel beim Sport oder beim Ausprobieren neuer Dinge. Veränderungen brauchen häufig Zeit und verlaufen nicht geradlinig.
Weniger Kontrolle kann Konflikte rund um Hausaufgaben reduzieren. Manchmal sehen Aufgaben kurzfristig weniger perfekt oder sogar unvollständig aus.
Die Bausteine lassen sich in kleinen Schritten ausprobieren. Der Ansatz ersetzt keine fachliche Unterstützung, wenn echte Lernlücken bestehen.
Eltern können stärker begleiten, statt dauerhaft die Rolle einer Ersatzlehrkraft zu übernehmen. Manche Kinder brauchen zusätzlich Unterstützung von außen.

Für wen dieser Ansatz gut passt und wann er nicht ausreicht

Gut geeignet ist dieser Blick besonders für Kinder, die den Stoff grundsätzlich bewältigen können, bei Schwierigkeiten aber sehr schnell einbrechen. Auch bei Kindern, die oft „Ich kann das nicht“ sagen, bevor sie es versucht haben, lohnt es sich, das Zutrauen genauer anzuschauen.

Nicht ausreichend ist dieser Ansatz, wenn ein Kind überfordert ist, weil wichtige Grundlagen fehlen, wenn Konzentration über längere Zeit kaum gelingt oder wenn es unter der Schulsituation deutlich leidet. Dann sollte die Ursache genauer geklärt werden. Zutrauen kann Lernen unterstützen, aber fehlendes Wissen, eine Lernstörung oder andere Belastungen nicht ersetzen.

Zwei wichtige Einwände

„Selbstwirksamkeit erklärt doch nicht die ganze Lernmotivation.“ Das stimmt. Motivation hängt nicht nur davon ab, ob ein Kind glaubt, etwas schaffen zu können. Auch Autonomie, Interesse, Sinn, Beziehung und die konkrete Lernsituation spielen eine Rolle. Die Selbstbestimmungstheorie macht genau darauf aufmerksam. Selbstwirksamkeit ist deshalb kein Zauberschlüssel, sondern ein wichtiger Teil eines größeren Bildes.

„Damit landet wieder alles bei den Eltern.“ Nein. Schule, Klassengröße, Unterricht, Leistungsanforderungen und viele andere Bedingungen liegen nicht in der Hand von Eltern. Auch ein liebevoll begleiteter Lernalltag kann schwierige äußere Bedingungen nicht einfach ausgleichen. Die Ideen in diesem Artikel sind Möglichkeiten, die du ausprobieren kannst, keine zusätzliche Pflicht.

Abgrenzung: Wann mehr dahinterstecken kann

Nicht jedes schnelle Aufgeben ist ein Zutrauensproblem. Eine Aufgabe kann tatsächlich zu schwer sein. Grundlagen können fehlen. Die Konzentration kann nach einem langen Schultag erschöpft sein. Auch Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben, Rechnen, bei Aufmerksamkeit, Hören oder Sehen können eine Rolle spielen.

Solche Fragen lassen sich nicht anhand einer Internetliste zuverlässig klären. Wenn Schwierigkeiten länger anhalten, dein Kind deutlich leidet oder Schule zunehmend vermeidet, ist ein Gespräch mit Fachpersonen sinnvoll. Je nach Situation können die Lehrkraft, die kinderärztliche Praxis, der schulpsychologische Dienst, eine Beratungsstelle oder therapeutische Fachkräfte passende Anlaufstellen sein.

✅ So kannst du diese Woche starten

Tag 1 und 2: Beobachten. Ändere zunächst nichts. Notiere nur, an welcher Stelle dein Kind aussteigt und welche Sätze es dabei sagt.

Tag 3: Einen Schritt verkleinern. Such eine Aufgabe aus und teile sie so klein, dass der erste Teil machbar wirkt.

Tag 4: Zehn Sekunden warten. Wenn dein Kind stockt, zähl innerlich bis zehn, bevor du etwas sagst. Vielleicht findet es selbst einen nächsten Schritt.

Tag 5: Beschreiben statt bewerten. Sag einmal bewusst: „Du hast weiterprobiert, obwohl es schwierig war.“

Tag 6: Fortschritt sichtbar machen. Ein altes Heft, eine kleine Liste oder ein anderes konkretes Beispiel kann zeigen, was inzwischen leichter gelingt.

Tag 7: Etwas anderes gemeinsam machen. Backen, bauen, spielen oder Rad fahren. Auch außerhalb der Schule kann dein Kind erleben, dass es Dinge aus eigener Kraft bewältigt.

Wenn eine Woche dazwischenkommt, in der davon wenig klappt, ist das kein Rückschritt. Veränderung im Lernalltag darf langsam entstehen.

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Häufige Fragen

Brauche ich Nachhilfe oder besonderes Material?

Für die Ideen in diesem Artikel brauchst du nichts zu kaufen. Aufgaben kleiner machen, kurze Denkpausen zulassen und Fortschritte sichtbar machen kostet vor allem Aufmerksamkeit. Nachhilfe ist etwas anderes. Sie kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich Stoff fehlt oder wenn Unterstützung von außen den Familienalltag entlastet.

Wo finde ich Unterstützung, wenn wir allein nicht weiterkommen?

Eine erste Anlaufstelle kann die Klassenlehrkraft sein, weil sie dein Kind im schulischen Kontext erlebt. Je nach Fragestellung kommen außerdem der schulpsychologische Dienst, Erziehungsberatungsstellen, die kinderärztliche Praxis sowie therapeutische oder lerntherapeutische Fachstellen infrage.

Was, wenn mein Kind in der Schule nicht glücklich ist?

Dann sollte das ernst genommen werden. Ein Kind, das sich dauerhaft unwohl fühlt, hat möglicherweise wenig Kapazität für entspanntes Lernen. Ein ruhiges Gespräch mit deinem Kind und anschließend mit der Lehrkraft kann helfen, genauer zu verstehen, was belastet. Bei anhaltenden Schwierigkeiten können Schulsozialarbeit, Schulpsychologie oder andere Beratungsstellen unterstützen.

Wie viel soll ich bei den Hausaufgaben überhaupt helfen?

Eine feste Minutenzahl gibt es nicht. Eine brauchbare Orientierung ist: so viel, dass dein Kind wieder weiterarbeiten kann, aber so wenig, dass ein eigener Lösungsanteil erhalten bleibt. Die Forschung zur Hausaufgabenhilfe spricht dafür, auf die Qualität der Unterstützung zu achten. Als unterstützend erlebte Hilfe und als kontrollierend erlebte Hilfe sind nicht dasselbe.

Sind Lernmethoden oder Selbstvertrauen wichtiger?

Beides kann sich gegenseitig unterstützen. Gute Lernmethoden können Lernen wirksamer machen und dadurch Erfolgserlebnisse wahrscheinlicher machen. Umgekehrt wird ein Kind eine Methode eher ausprobieren, wenn es sich zumindest einen kleinen Erfolg zutraut. Deshalb lohnt es sich, auf Können, Strategie und Zutrauen gleichzeitig zu schauen.

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Kristina Weber

Ergotherapeutin, Mutter von drei Kindern und selbst regelmäßig am Küchentisch im Einsatz

In meiner Arbeit begleite ich Kinder, denen Lernen manchmal schwerfällt, und Eltern, die sie möglichst gut unterstützen möchten. Auf Lernzauberwelt schreibe ich über Lernmotivation, Selbstwirksamkeit, Konzentration und darüber, wie Lernen zu Hause leichter und freudvoller werden kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Bandura, A. (1977). Self efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191 bis 215. DOI: 10.1037/0033-295X.84.2.191

Dweck, C. S. (1975). The role of expectations and attributions in the alleviation of learned helplessness. Journal of Personality and Social Psychology, 31(4), 674 bis 685. DOI: 10.1037/h0077149

Moroni, S., Dumont, H., Trautwein, U., Niggli, A. & Baeriswyl, F. (2015). The Need to Distinguish Between Quantity and Quality in Research on Parental Involvement: The Example of Parental Help With Homework. The Journal of Educational Research, 108(5), 417 bis 431. DOI: 10.1080/00220671.2014.901283

Ryan, R. M. & Deci, E. L. (2020). Intrinsic and extrinsic motivation from a self determination theory perspective: Definitions, theory, practices, and future directions. Contemporary Educational Psychology, 61, 101860. DOI: 10.1016/j.cedpsych.2020.101860

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